Hexen im British Folk

Hexen im British Folk der 60s

Roots Tipps

… ein Thema, dass man wahrscheinlich vor allem mit den vergnüglichen Songs von Donovan und Co. verbindet. Ich denke an Incredible String Band mit Witches Hat oder Fairy Tale Lullaby von John Martyn. Die Musik des Psychedelic Folk um 1967/68 war voll davon und blieb präsent in allen möglichen Spielarten wie Indie Folk und Weird Folk. .
Eine Jugend, die in den aufstrebenden 60ern keine existenziellen Probleme mehr hatte, fand die Zeit zu träumen und ab und zu ein wenig zu gruseln bei der Witch Queen of New Oeleans, Marie Laveau.

Incredible String Band: Witches Hat

John Martyn: Fairy Tale Lullaby


Beeswing = Hexensong?

In einer Auflistung von Folksongs zum Thema Hexe fand sich das Lied Beeswing von Richard Thompson. Ist das gerechtfertigt, obwohl in dem Song nichts Magisches oder Verwunschenes vorkommt?

Hier eine Version mit Christy Moore:

[embedyt] https://www.youtube.com/watch?v=unu79PP2Klo[/embedyt]

Ich finde, Thompson beschreibt mit dem Lied einen Typ Frau, der gleichzeitig auch eine Übergangsstelle zwischen magischer und realer Welt darstellt. Selten war dies nicht in den späten 60ern, denkt man z.B. an Dylans Sara.

Sara, Sara

Radiant jewel, a mystical wife.

Die Häufung bestimmter Eigenschaften und Accessoirs lassen schon an etwas nicht ganz Alltägliches denken (Fuchs und Wolfshund, „wild“,  „zigzag hair“ u.a). Diese Entrückungen und Zuschreibungen könnten die gleichen bei einer Hexe sein.

Tasächlich sagt Thompson, dass es sich um a „bit like Sandy’s version of Anne Briggs,“ handele. Und tatsächlich hat Sandy Denny Thompson wohl von einem Idealbild vorgeschwärmt, das sie von Anne Briggs hatte.

Diese ganze Sache wäre nicht erwähnenswert, handelte es sich um einen Einzelfall. Tatsächlich gab es jedoch einen recht ähnlichen Song, den Thompson möglicherweise kannte: Bob Pegg schrieb einen Erzählsong mit dem Titel „The Gypsy“, aufgenommen mit seiner Band Mr. Fox für ihr zweites und letztes Album. Der letzte Vers lautet:

The last time I heard a word about my Mary Lee

She was married to a tinker and was living in Dundee

They say she has a baby now to bounce upon her knee

And I wonder in the long nights does she ever think of me?

Die von Thompson erwähnte Cauldrum Street befindet sich in Dundee.

[embedyt] https://www.youtube.com/watch?v=Ms0nZuR7egU[/embedyt]

Richard Thompson: Beeswing

I was nineteen when I came to town, they called it the Summer of Love
They were burning babies, burning flags. The hawks against the doves
I took a job in the steamie down on Cauldrum Street
And I fell in love with a laundry girl who was working next to me
Oh she was a rare thing, fine as a bee’s wing

So fine a breath of wind might blow her away
She was a lost child, oh she was running wild
She said „As long as there’s no price on love, I’ll stay.
And you wouldn’t want me any other way“

Brown hair zig-zag around her face and a look of half-surprise
Like a fox caught in the headlights, there was animal in her eyes
She said „Young man, oh can’t you see I’m not the factory kind
If you don’t take me out of here I’ll surely lose my mind“

Oh she was a rare thing, fine as a bee’s wing
So fine that I might crush her where she lay
She was a lost child, she was running wild
She said „As long as there’s no price on love, I’ll stay.
And you wouldn’t want me any other way“

We busked around the market towns and picked fruit down in Kent
And we could tinker lamps and pots and knives wherever we went
And I said that we might settle down, get a few acres dug
Fire burning in the hearth and babies on the rug
She said „Oh man, you foolish man, it surely sounds like hell.
You might be lord of half the world, you’ll not own me as well“

We was camping down the Gower one time, the work was pretty good
She thought we shouldn’t wait for the frost and I thought maybe we should
We was drinking more in those days and tempers reached a pitch
And like a fool I let her run with the rambling itch

Oh the last I heard she’s sleeping rough back on the Derby beat
White Horse in her hip pocket and a wolfhound at her feet
And they say she even married once, a man named Romany Brown
But even a gypsy caravan was too much settling down
And they say her flower is faded now, hard weather and hard booze
But maybe that’s just the price you pay for the chains you refuse

Oh she was a rare thing, fine as a bee’s wing
And I miss her more than ever words could say
If I could just taste all of her wildness now
If I could hold her in my arms today
Well I wouldn’t want her any other way

 

 

 

Scottish Witch Craft Act 1563

Hexen waren in der englischen Folk Musik ein Objekt oder Subjekt, das Spaß machte und gute Laune verbreitet, zauberhaft war. Das hat sich geändert durch das Erscheinen des Albums HEAL AND HARROW. Heel and Harrow behandelt die schottischen Hexenprozesse des 16. und 17. Jahrhunderts. Das war eine dunkle Periode in der schottischen Geschichte, in der 2558 Menschen getötet worden, nachdem der schottische Witchcraft Akt eingeführt worden war – 80 % davon waren Frauen.

Lilias Adie

In Dornach in Schottland steht ein Stein am Strand, der daran erinnert, dass dort im Jahre 1727 Janet Horne hingerichtet worden ist.. Horne war die letzte Person, die in Schottland legal hingerichtet worden war und das Urteil wurde erst 1735 zurückgenommen. An diesem Stein trafen sich Rachel Newton und Lauren MacColl und entwickelten die Idee zu einem Album. Sie beauftragten einen Schreiber Texte zu schreiben mit zehn fiktionalen Geschichten.
Diese Geschichten von Mairi Kidd sind die Grundlage für die zehn Lieder der Platte. In den Liedern stellen sie durchaus aber auch Verbindungen her mit der Lage von Frauen in der heutigen Zeit. Sieben dieser Lieder behandeln Frauen, die tatsächlich existiert haben, zum Beispiel Lilias Adie, der der erste Song gewidmet ist. Lilias ist die einzige Hingerichtete, von der es tatsächlich ein Grab gibt.

Der Song An Teine (The Fire) ist das einzige Lied, das auf gälisch gesungen wird, es behandelt der Tod von Catherine McKinnon. Während die meisten Hexen in einem „normalen“ Verfahren angeklagt wurden, wurde Catherine, eine Bettlerin, in ihrem Haus von einem Highland-Landbesitzer auf der Insel Sky gefoltert und dann liegen gelassen, zwölf Tage später starb sie. Der Angreifer wurde zwar angeklagt aber nie verurteilt.

Ein weiterer Song sollte noch erwähnt werden: Judge not. Was mit Synthesizerklängen beginnt, setzt sich fort als eine sehr merkwürdige Geschichte aus der an Merkwürdigkeiten nicht gerade armen Zeit der Hexenverfolgung. Christian Caldwell war eine Frau, die sich als Mann verkleidet unter dem Namen John Dickson als Hexenverfolger(in) anstellen ließ. Ihre Methode war das witch pricking, bei dem man mit einer speziellen Nadel in den jeweiligen Körper stach. Traf man eine Stelle, die nicht blutete, so war der Beweis erbracht. Floß kein Blut, so stach man weiter. In Edinburgh traf sie auf den Falschen, sie wurde 1662 selbst der Hexerei angeklagt, als Frau identifiziert und auf eine Fieberplantage auf den Barbados verbannt.

Zu den beiden Musikerinnen: Rachel Newton spielt Harfe, Elektrische Harfe, Piano, Harmonium, Synthesizer und Kalimba, ansonsten ist sie Mitglied bei Furrow Collective, Shee und Spell Songs. Lauren McColl spielt mit bei RANT und Salt House.

Hexenprozesse von Salem 1692

In einem kurzen Abstecher soll noch auf den berühmtesten aller Hexenprozesse hingewiesen werden: Salem 1692.

200 Menschen wurden angeklagt und 20 Personen hingerichtet. Musikalische Aufarbeitung findet sich vor allem in dem Album Witches and War-Whoops: Early New England Ballads von John Allison. In düsterer Stimmung werden hier die Geschichten der Hingerichteten erzählt. In einem Booklet gibt Allisison Informationen zu jeder einzelnen Geschichte.

Hexen und Hexenzauber in Folksongs


Zum Thema gibt es viel Müll, satanistischen Quatsch u.a. Glücklicherweise haben sich die englischen Folksänger*innen recht seriös gezeigt. Aus der Fülle der Songs, die sich mit recht weit gefassten Bereich möchte ich nur einige herausnehmen.

Two Magicians

Eine Geschichte, die es sowohl in Hindumärchen als auch in den Geschichten aus 1001 Nacht gibt, ist die Geschichte von der Dame und dem Schmidt. Sie durchleben zahlreiche Metamorphosen und obwohl die Dame dem Werben des Schmieds lange widerstehen kann, erliegt sie ihm schließlich.

The Laily Worm

Von Schneewittchen ist die böse, hexenhafte Stiefmutter bekannt. In the Laily Worm verwandelt diese den Sohn ihres neu angeheiratetenMannes in einen Wurm, die Tochter in eine Makrele. Wie immer im Märchen gibt es eine Happy End, wenn auch nicht für die Stiefmutter: sie wird von ihrem Ehemann verbrannt.

Willie‘s Lady

Die älteste Version stammt aus dem Jahr 1783. Dieses Mal gibt es eine Schwiegermutter. Willies Mutter ist eine Hexe und sie verzaubert seine Braut, dass sie zwar schwanger, aber nicht gebären kann.  Über den Umweg einer Wachspuppe trickst Willie seine Mutter aus und befreit seine Frau von dem Fluch. In einer skandinavischen Variante wirkt der Fluch anscheinend noch besser, das Kind ist bei der Geburt bereits acht Jahre alt.

Der Ursprung der Geschichte liegt wahrscheinlich in der Legende von Herakles. Dessen Geburt wurde verzögert, damit sein Zwillingsbruder (von einem anderen Vater gezeugt) der Erstgeborene wurde, denn der sollte nach dem Willen des Zeus (Vater von Herakles) der Herrscher von Mykene werden. Die englischen Legenden sind da etwas weniger tricky und heute soll so etwas anscheinend gar nicht mehr geschehen.

Zauberhafte Wesen: Selkies

Selkies sind der schottischen Mythologie entsprungen und es handelt sich hier um das Phänomen, dass Robben an Land gehen, dort das Fell verlieren und als Menschen weiterleben, vorzugsweise als wunderschöne Frauen.

Darüber hinaus gibt es weitere Erzählungen von Robben, die sich aus dem Wasser erheben und einem Sänger zuhören. Seal people sind ganz allgemein Menschen, deren Vorfahren Robben waren. Der Grey Silkie of Skulesberry ist die ursprüngliche Figur für einen Song, der zu den am häufigsten interpretierten englischen Folksongs gehört – auch in den USA, wo z.B. Joan Baez und Roger McGuinn ihn aufgenommen haben.


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